Sommer

Der Sommer macht mich Wahnsinnig. Dieser ist bisher der schlimmste.

Die Sonne ist wie ein Messer, dass einem alle Sinne zerschneiden will, die scharfen Schatten und Kontraste wie ein Skalpell, mit dem man bei lebendigem Laibe seziert wird. Wenn es nicht direkt wolkenlos ist, dann ist es ein kumuluswolkenverhangener blauer Himmel, der innerhalb einer Stunde zehn mal zwischen leicht diffusem und direktem Sonnenlicht wechselt.

Die Menschen und die Lautstärke, die der Sommer mit sich bringt, sind eine weitere Qual, der zu entkommen aussichtslos erscheint. Sie sammeln sich in Zügen, auf Straßen, im Supermarkt. Dort muss man ihre Körper sehen, riechen und im Gedränge teils berühren. Sie sprechen, schreien und reden, spucken und gurgeln, jeder Laut der ihren Kehlen entfährt ist mir eine Pein. Dazu die üblichen Ängste und Probleme die man von Bahnfahrten gewohnt ist.

Sich bei 36 Grad Innentemperatur in seiner Besenkammer von Dachgeschosswohnung/WG-Zimmer aufzuhalten jedoch auch keine Option. Dazu gekreuche und gefleuche diverser Insekten, die einen umschwirren und noch nervöser machen.

Dann im völlig überhitzen Zug voller verbrauchter, schwitziger Luft bei Kindergeschrei, gehuste und geatme das Bewusstsein nun fast vollständig verlieren zu drohen, i.e. in Ohnmacht zu fallen, wahrlich das höchste der Gefühle.

Die Temperatur macht schlafen fast unmöglich, sodass man an den Rand der Psychose getrieben wird.

Es gibt kein Entkommen, außer den Herbst abzuwarten und zu hoffen, dass die Winterdepression bei denjenigen, die der Sommer so sehr motiviert einstellt, um wieder ein bisschen Ruhe zu kriegen um geistige Klarheit und Fassung zu gewinnen. Wenn die Kälte und Dunkelheit ein Denken wieder möglich machen und die Dissoziation abnimmt.

Ich fürchte jedoch, dass der Schaden mindestens partiell irreversibel ist.

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